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fat monument woman

Es freut mich wirklich sehr, dass Kampagnen für ein gutes Körpergefühl immer beliebter werden und auch mehr Beachtung finden. Da ich selbst mein ganzes Leben lang mit ein paar (und manchmal ziemlich vielen) Extrapfunden zu kämpfen hatte, finde ich das sehr positiv. All diese Artikel und Motivationsvideos sorgen dafür, dass Mädchen, die sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen, oder deswegen sogar öffentlich angeprangert werde ein paar gute Erwiderungen parat haben. Es ist einfach so: Manchmal werden wir öffentlich bloßgestellt.

Allerdings mache ich mir manchmal Sorgen über etwas Anderes: darüber, wie das Wort „fett“ dämonisiert wird oder, was noch viel schlimmer ist – als positives Merkmal der eigenen Persönlichkeit glorifiziert wird. Ich weigere mich, “fett und schön” zu sein. Ich bin schön und fett. Und ich bin nicht auf Komplimente aus!

Ich weiß, dass ich schön bin. Woher ich das weiß? Es gibt genügend Menschen in meinem Umfeld, die mich so lieben, wie ich bin.

Und ich weiß, dass ich fett bin! Und wissen Sie, woher? Also, zum einen bestätigt es mir mein Body Mass Index (BMI) mit 33 Punkten. Außerdem merke ich es an einigen meiner „dünneren“ Kleidungsstücke. Und an meiner Fähigkeit, körperlich anstrengende Tätigkeiten nicht lange durchzuhalten. Ich sehe es in meinem Spiegel und auf den Fotos auf Facebook, auf denen ich getaggt bin.

Aber ich lösche diese Tags nicht. Es wäre auch völlig nutzlos, denn alle meine Freunde auf Facebook werden mich ja sowieso früher oder später im richtigen Leben kennenlernen und sehen, wie ich #ungefiltert aussehe. Sie würden sicher genau dieselbe Traurigkeit empfinden, die mich überkommt, wenn ich es mit Leuten zu tun habe, die im virtuellen Leben dermaßen übertreiben, dass es viel aufregender ist als ihr echtes. Außerdem bin ICH das da auf den Fotos, und schließlich bin ich es doch, die schön ist, oder etwa nicht? Mein Aussehen kann und muss das nicht immer und zu jeder Zeit widerspiegeln.

Die Tatsache, dass ich fett bin, ist nichts was mich vorrangig definiert. Es ist nur ein Zustand in meinem Leben, der gelegentlich vorkommt. Manchmal trage ich auch weniger Kilos mit mir herum, und es stimmt, dann fühle ich mich besser. Nicht nur, weil ich mich als attraktiver empfinde, sondern weil mein Körper mich mit mehr Energie und einer ganz anderen Körpersprache belohnt.

Allerdings habe ich noch nie eine Diät gemacht. Der Gedanke, mich strikt an einen Ernährungsplan voller Dinge, die ich normalerweise niemals essen würde, halten zu müssen und stundenlang Sport zu treiben, der mir keinen Spaß macht, hat mich immer abgeschreckt. Und das war anscheinend von Vorteil, weil es mittlerweile immer mehr wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass diese Art der Diät fast immer zu Rückschlägen führt.

In Zeiten, in denen es mir gelang, ein gewisses Fitnesslevel zu halten, hatte ich auch einen ausgewogeneren Lifestyle. Und daran glaube ich fest. Ich war überrascht davon, dass ich eben genau diese Betrachtungsweise und noch dazu viele nützliche Tipps im Buch “Diät! Nein danke, ich nehme lieber ab” gefunden habe. Der einzig wahre Weg, abzunehmen und dieses Gewicht dann auch zu halten, besteht darin, die eigene, bereits vorhandene Lebensweise entsprechend anzupassen.

Aber, um das tun zu können, müssen Sie erst mal akzeptieren, dass Sie fett sind. Und ich rede jetzt nicht von Selbstvertrauen. Darum geht es nicht. Selbstvertrauen und Unsicherheit liegen im ständigen Kampf miteinander. Fragen Sie doch Ihren BMI. Oder das Kleidungsstück ganz hinten im Schrank, das geduldig darauf wartet, dass Sie ein paar Kilo abnehmen. Und fragen Sie sich auch gleich noch, ob es Ihnen wirklich wichtig ist. Wenn ja, kommen Sie einfach hierher zurück und holen Sie sich einige nützliche Tipps und Ratschläge, denn Sie werden viel an Ihrer Lebensweise und Ihrer Ernährung arbeiten müssen.
Falls es Ihnen nicht wichtig ist, ist das natürlich auch in Ordnung. Allerdings definieren Sie Ihre Persönlichkeit bitte nicht vorrangig über ihr Aussehen. Das ist nämlich die wahre Kraft des Selbstvertrauens und kein einziges Wort muss auf die schwarze Liste gesetzt werden, nur damit sie sich sicher fühlen.